Alessandra Freyer
Karl, auf geht's. Lass uns über Energierecht sprechen.
Karl Holtkamp
Ja, Alessandra, meine These zum Einstieg heute: Der Wasserstoffhochlauf scheitert derzeit nicht an fehlenden Projekten, sondern daran, dass niemand genau weiß, nach welchen Regeln und Anforderungen sie sich für ihre Projekte in den nächsten fünf Jahren richten müssen.
Alessandra Freyer
Zumindest ist das eine Sorge, die man bei fast jedem Gespräch mit Investoren oder Projektentwicklern oder Industrieunternehmen hört.
Karl Holtkamp
Und genau darüber wollen wir heute sprechen, denn eigentlich fehlt es nicht an politischen Ambitionen, an unternehmerischen Ambitionen ohnehin nicht. Wasserstoff steht seit Jahren ganz oben auf der Agenda.
Alessandra Freyer
Ja, aber trotzdem verläuft der Hochlauf deutlich langsamer als noch vor ein paar Jahren und das räumt ja sogar selbst die EU-Kommission ein.
Karl Holtkamp
Ja.
Alessandra Freyer
Und sie hat ja zuletzt in ihrer Accelerate EU-Mitteilung, das war am 22. April diesen Jahres, hat sie ja angekündigt, dass sie eine Kurskorrektur vornehmen möchte.
Karl Holtkamp
Ja, sehr interessant. Für mich kommt das Timing nicht ganz überraschend. Die Einsicht der Kommission vielleicht schon, geopolitische Schocks, wir wissen es aus den Nachrichten, wir haben steigende Energiepreise und all das erzeugt eben einen Importdruck und Handlungsdruck letztlich.
Alessandra Freyer
Ich finde, vor ein paar Jahren war es wirklich noch so, dass Wasserstoff als, ja, Allheilmittel gesehen wurde für alle energiewirtschaftlichen Probleme, also das Mittel, um Probleme zu lösen, alle Probleme zu lösen.
Karl Holtkamp
Ja, davon sind wir weg.
Alessandra Freyer
Ja, da hat sich inzwischen Realismus breit gemacht.
Karl Holtkamp
Das stimmt. Wer jedenfalls aktuell mit Unternehmen spricht, der weiß, die Unsicherheit liegt seltener an der Technik. Die meisten wissen inzwischen ziemlich genau, wo und wie sie Wasserstoff einsetzen können, haben erste Pilotprojekte und umgesetzte Projekte durchgezogen, sondern die Unsicherheit liegt an den rechtlichen Rahmenbedingungen.
Alessandra Freyer
Und genau dort beginnen doch eigentlich die wichtigen Fragen, weil welche Regelungen gelten überhaupt und wie stabil sind sie? Und worauf kann man sich als Unternehmen, wenn man investieren will, verlassen und worauf kann man seine Investitionsentscheidung stützen?
Karl Holtkamp
Ja, du hast es angesprochen. Es geht um die Detailfragen letztlich. Nicht welcher Wasserstoff gilt als erneuerbar. Das dürfte inzwischen den meisten im Markt bekannt sein, sondern schwieriger: Für wie lange gelten diese RFNBO-Anforderungen?
Alessandra Freyer
Kannst du noch mal ganz kurz sagen, was man unter RFNBO versteht.
Karl Holtkamp
Buchstabe für Buchstabe: Renewable Fuels of Non-Biological Origin. Und ich war grad dabei zu sagen, nicht was sind die Anforderungen an diesen grünen Kraftstoff und Wasserstoff, sondern wann und wie ändert die EU sie wieder? Du hast die Accelerate EU-Mitteilung angesprochen. Es steht jedenfalls jetzt im Raum. Und wie kommen wir am Ende aus einzelnen Projekten, die es schon gibt, zu einem funktionierenden Markt?
Alessandra Freyer
Ja, und genau darüber wollen wir heute gemeinsam sprechen, über das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz, RFNBO-Kriterien, ja, und wenn Zeit bleibt, über die THG-Quote, also letztlich über die ganzen Rahmenbedingungen für Investoren und Industrieunternehmen.
Karl Holtkamp
Dann lass uns reinstarten. Fangen wir mit dem Regelwerk an, das den Hochlauf ausdrücklich beschleunigen soll, dem Wasserstoffbeschleunigungsgesetz.
Alessandra Freyer
Wie der Name schon sagt.
Karl Holtkamp
Ja, genau.
Alessandra Freyer
Hoffentlich ist der Name Programm.
Karl Holtkamp
Ursprünglich war es noch von der Ampelkoalition entworfen worden, dann nach dem Koalitionsbruch erst mal liegen geblieben und jetzt zuletzt von der neuen Bundesregierung in Anführungsstrichen „aufgegriffen und verabschiedet worden".
Alessandra Freyer
Das zeigt, find ich, einen breiten politischen Konsens beim Thema Wasserstoff.
Karl Holtkamp
Kann man so sehen, ja.
Alessandra Freyer
Ja, der sich auch im Gesetz, find ich, widerspiegelt. Also Genehmigungsverfahren sollen nicht zum Hauptengpass, um es mal so zu sagen. Und erfasst es dann die ganze Wertschöpfungskette, also von Elektrolyse über Speicher und Leitung bis zur Importinfrastruktur und Wasserstoffderivaten.
Karl Holtkamp
Was steckt drin im Wasserstoffbeschleunigungsgesetz? Zentrales Instrument ist erst mal die Einstufung von Vorhaben im überragenden öffentlichen Interesse. Das verschiebt letztlich die Abwägung gegenüber anderen Belangen, wie's immer heißt in der Abwägung, also Abwägung mit Naturschutz, mit Wasserrecht, mit Eigentumsrechten, verschiebt diese Abwägung zugunsten der Wasserstoffinfrastruktur. Das ist letztlich derselbe regulatorische Rückenwind, den wir beim Ausbau der erneuerbaren Energien auch gesehen haben. Da gibt's auch dieses überragende öffentliche Interesse.
Alessandra Freyer
Wieder bei meinem Lieblingsthema sind wir hier, Finanzierung. Das muss ich immer wieder in jeder Folge antippen. Und wichtig zu sagen, das Gesetz macht Projekte nicht automatisch wirtschaftlich. Also schnelle Genehmigungen, die helfen, aber Investitionsentscheidungen hängen natürlich von anderen Fragen ab. Also Beschaffung, Abnehmer, Preis, regulatorische Stabilität, um es mal zu formulieren in einem Satz. Ein beschleunigtes Projekt ist noch lange kein wirtschaftliches.
Karl Holtkamp
Ja, gut, das stimmt. Ja, das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz beseitigt letztlich einen denkbaren Engpass und kann aber auch nicht entscheiden, ob ein funktionierender Markt entsteht. Und das ist so ein bisschen die Weichenstellung, an der wir grade stehen. Wichtig sind aber die Anforderungen für Wasserstoff, damit er regulatorisch als erneuerbar gilt, also die Anforderungen an RFNBOs. Lass uns da noch drüber sprechen.
Alessandra Freyer
Guter Punkt, weil während das Beschleunigungsgesetz Genehmigungsverfahren erleichtern soll, ja, nehmen viele Entwickler bei den RFNBO-Anforderungen eher zusätzliche Kriterien wahr und kannst du noch mal sagen, welche Rolle dabei die Accelerate EU-Mitteilung spielt?
Karl Holtkamp
Ich kann's ja mal ein Stück weit zusammenfassen. Also Accelerate EU ist ein energiepolitisches Maßnahmenpaket der EU-Kommission und eine Reaktion auf die diversen Krisen, die wir gerade gleichzeitig haben. Ich habe mal ein paar Zahlen rausgesucht, weil es das für mich immer greifbarer macht. Gerne. Wir haben eine Situation, wo 57 Prozent des europäischen Energieverbrauchs auf importierten fossilen Energieträgern basieren. Das heißt in Euros, 340 Milliarden Euro wurden letztes Jahr für fossile Importe ausgegeben. Seit dem Irankrieg sind noch mal 24 Milliarden Euro dazugekommen. Das Accelerate EU-Paket hat verschiedene Handlungsfelder identifiziert. Die können wir heute nicht alle behandeln, aber besonders relevant für den Wasserstoffmarkt, über den wir reden wollen, ist eine gezielte Überprüfung der RFMBO-Produktionskriterien, also letztlich auch der Anforderungen an grünen Wasserstoff, die im zweiten Quartal 26, also jetzt, vorgeschlagen werden sollen.
Alessandra Freyer
Warten wir ab, weil es ist schon bemerkenswert, finde ich denn, über diese Kriterien wird ja seit Jahren diskutiert. Was sind denn die wesentlichen Anforderungen heute und was würdest du sagen, warum gelten diese als Wachstumsbremse?
Karl Holtkamp
Wenn wir über eine Überprüfung und Änderung sprechen, hast du recht, sollten wir vielleicht auch kurz ausholen und den Status quo noch mal zusammenfassen. Denn der Rahmen, den wir jetzt haben, der Rechtsrahmen, basiert letztlich auf der erneuerbaren Energien Richtlinie von 2023 in der überarbeiteten Version und zwei delegierten Verordnungen, die da dran hängen und so weiter, mit im Kern vier Anforderungen an RFMBOs, nämlich Zusätzlichkeit zweitens zeitliche Korrelation, drittens geographische Korrelation und Emissionsnachweise über den Gesamtlebenszyklus. Das drängendste Problem für mich ist dabei die Gleichzeitigkeitsanforderung.
Alessandra Freyer
Kannst du noch mal erklären, was es damit auf sich hat?
Karl Holtkamp
Ja, letztlich heißt es, so wie es aktuell geregelt ist, dass ab 2030 stündlich nachgewiesen werden muss, dass der Strom, den der Elektrolyseur zur Wasserstoffherstellung nutzt, aus einer erneuerbaren Quelle kommt. Dafür fehlen aber wiederum derzeit noch die Strukturen der Zertifizierungssysteme. Das heißt, es geht noch gar nicht. Auch die Zusätzlichkeitsanforderung, die ich noch als eins von vier Kriterien eben kurz genannt habe, führt letztlich dazu, dass sich Projekte massiv verteuern, weil der Rückgriff auf schon bestehende erneuerbare Energieanlagen einfach erschwert ist. Da kommen wir her und jetzt will die Kommission, sagt sie selbst, ran an das Thema.
Alessandra Freyer
Die Kommission, du hast es angetippt, die kündigt jetzt einige konkrete Anpassungen an. Also keine vollständige Neuordnung, sondern es soll punktuell nachjustiert werden. Fokus ist hier synthetischer Flug- und Schifffahrtskraftstoff.
Karl Holtkamp
Als ein Punkt.
Alessandra Freyer
Dafür aber auch eine doppelte oder doppelseitige, besser gesagt, Auktion mit zwei Milliarden Euro. Was noch interessant ist, dass die Methoden zur Bewertung hybrider Produktionspfade, die sollen präzisiert werden und bis Ende Juni 2026 sollte eine Konsultation zu Kriterien für CO₂-arme Stoffe aus Kernkraftwerken starten, was natürlich für einige Märkte neue Möglichkeiten eröffnet.
Karl Holtkamp
Also letztlich sind einfach die bisherigen Anforderungen zu ambitioniert. Die Kommission hat dann auch in ihrer Mitteilung selbst diese Auswirkungen angesprochen. Also der Wasserstoffhochlauf ist einfach langsamer als erwartet. Manche werden sagen, kritische Stimmen haben wir doch gleich gesagt. Wegen der regulatorischen Komplexität ist es langsamer und letztlich durch die Unwirtschaftlichkeit, also im Vergleich zu grauem Wasserstoff einfach und gegenüber fossilen Brennstoffen. Eine wichtige Anmerkung möchte ich dazu noch machen: Die Accelerate EU-Mitteilung, über die wir jetzt geredet haben, ändert ja erst mal das bestehende Recht nicht. Das heißt, die Anforderungen, die wir haben, die haben wir und die gelten auch bis zu einer formalen Rechtsänderung erst mal fort.
Alessandra Freyer
Und was sagt das für bereits geschlossene Verträge aus?
Karl Holtkamp
Ja, es hat schon Relevanz, weil wir jetzt wissen, wohin die Reise im Rahmen der Überprüfung gehen kann. Also sprich, wer einen Liefervertrag hat oder PPAs schon geschlossen hat oder EPC-Verträge, der sollte jedenfalls mal grob prüfen, ob die Change in Law-Klauseln auch passen. Etwa auch die delegierten Rechtsakte, wo die Methodologie zur Berechnung drin erfasst sind oder konkrete Änderungen an der Berechnungsmethode von CO₂-Minderung erfasst sind, also sich nicht nur auf formelle Gesetzesänderungen beziehen und ganz grundsätzlich das Risiko von einer Anpassung der RFMBO-Kriterien, über die wir hier gerade reden, trägt. Denn letztlich, wenn die Kriterien angepasst werden oder auch, so steht es ja aktuell in Aussicht, abgesenkt werden, wird im Umkehrschluss grüner Wasserstoff günstiger, wenn die Anforderungen sinken. Das heißt, damit muss man sich auch jetzt schon auseinandersetzen.
Alessandra Freyer
Wenn ich deiner Erklärung so zuhöre und mal ein Zwischenfazit ziehen darf, dann ist es eigentlich oder wäre es, dass Wasserstoff in einer entscheidenden Phase ist, regulatorisch, aber auch in einer riskanten Phase.
Karl Holtkamp
Das könnte man schon sagen.
Alessandra Freyer
Die politische Richtung, würde ich sagen, stimmt, aber zwischen Ankündigung und rechtlicher Wirksamkeit, wir kennen es, liegt oft noch ein langer, steiniger Weg.
Karl Holtkamp
Ja, wir haben einen Schwebezustand mal wieder. Damit muss man umgehen.
Alessandra Freyer
Ja, genau. Und das muss man einfach dann auch, wenn ich jetzt investieren will, muss ich das einkalkulieren.
Karl Holtkamp
Wir haben jetzt schon viel über die Produktionsseite gesprochen. Wir haben grad über RFMBO-Kriterien geredet, anfänglich über die Genehmigungsthemen und in den letzten Folgen auch über den Netzanschluss und all dies. Über eine entscheidende Frage haben wir aber noch nicht geredet, nämlich wer handelt und kauft den Wasserstoff eigentlich? Das ist ein Thema, was ich heut vielleicht auch noch kurz mit dir durchsprechen wollte, und zwar die THG-Quotennovelle, die wir jetzt gesehen haben. Die hat der Bundestag im April beschlossen.
Alessandra Freyer
Im Grundsatz haben wir ja bislang vor allem darüber gesprochen, wie Wasserstoff produziert werden kann und die THG-Quote betrachtet jetzt die andere Seite der Gleichung. Also wie entsteht überhaupt eine verlässliche Nachfrage?
Karl Holtkamp
Das ist zumindest ein Teil davon. Und was die THG-Quote angeht, ändert sich gleich an mehreren Stellen was. Das Herzstück der THG-Quotennovelle, die jetzt im April beschlossen wurde, ist einmal die drastische Anhebung, muss man sagen, der deutschen Minderungsquote von 12 Prozent in diesem Jahr auf bis 2040 65 Prozent. Das heißt-
Alessandra Freyer
Das ist erheblich, ja.
Karl Holtkamp
Ja, was das bedeutet, ist, dass Kraftstoffanbieter, die größten Kraftstoff und Ölkonzerne müssen die CO₂-Emissionen ihrer Kraftstoffe in diesem Zeitraum massiv senken und grüner Wasserstoff ist eben eines der zentralen Erfüllungsinstrumente oder eine Erfüllungsmöglichkeit dafür. Und erstmals werden dabei auch verbindliche Mindestquoten speziell für RFMBO-Kraftstoffe eingeführt.
Alessandra Freyer
Was sind die Mindestquoten?
Karl Holtkamp
Ja, das geht 2026 los, erst mal bei 0,1 Prozent und steigt dann schrittweise auf, ich meine, mindestens 10 Prozent bis 2040. Und eine Mindestverpflichtung von 1,5 Prozent im Jahr 2030 soll allein dazu führen, dass wir zwei Gigawatt Elektrolyseleistung sehen werden. So will es der Gesetzgeber jedenfalls.
Alessandra Freyer
Also ich finde, das klingt nach deutlich mehr als einem regulatorischen Detail, weil am Ende geht's darum, ob überhaupt ein Markt für diese Mengen entsteht.
Karl Holtkamp
Ja, deswegen reden wir jetzt im Kontext von Wasserstoff überhaupt über den THG-Quotenhandel, weil er letztlich ein hilfreicher Mechanismus vielleicht sein kann. Wer RFMBO zertifizierten, also grünen Wasserstoff produziert, kann Zertifikate erzeugen, an Kraftstoffanbieter verkaufen und die können damit einen Teil ihrer CO₂-Minderungsquote erfüllen. Und ich habe gelesen, dass davon ausgegangen wird, dass Produzenten allein durch diesen Zertifikate-Handel perspektivisch bis zu 15 Euro pro Kilogramm Wasserstoff zusätzlich erlösen können werden.
Alessandra Freyer
Das hilft natürlich dann.
Karl Holtkamp
Ja genau, also das sind letztlich Zusatzerlöse und in der Größenordnung können die den Unterschied machen zwischen einem wirtschaftlichen und einem nicht wirtschaftlichen Projekt. Also ganz interessant an der Stelle.
Alessandra Freyer
Also das heißt, die Frage, ob ein Wasserstoffprojekt wirtschaftlich ist, hängt künftig nicht mehr nur vom Wasserstoffpreis selbst ab, sondern auch davon, ob diese zusätzlichen Erlösströme überhaupt erschlossen werden.
Karl Holtkamp
Zumindest im Hinblick auf Inverkehrbringer von Kraftstoffen als Abnehmer von grünem Wasserstoff stimmt das. Und da schließt sich natürlich dann der Kreis zu unserer Diskussion über RFMBOs, denn wenn man den wirtschaftlichen Vorteil, den wir gerade besprochen haben, erschließen will, dann ist natürlich erst mal Voraussetzung, dass die regulatorischen Anforderungen überhaupt erfüllt sind für grünen Wasserstoff und wie die sich ändern und was die sind, dann im jeweiligen Zeitpunkt. Also ja, knifflig.
Alessandra Freyer
Man sieht daran ganz gut, dass die THG-Quote inzwischen doch weit mehr ist als ein Instrument zur Emissionsminderung im Verkehr und Kraftstoffsektor, denn sie wird dann auch zunehmend Teil der Wasserstoffwirtschaft.
Karl Holtkamp
Das ist jetzt neu für die RFNBOs. Im Biogas- und Biomethanbereich haben wir das ja schon gesehen in der Vergangenheit.
Alessandra Freyer
Also wenn wir mal jetzt zurückschauen auf das, was wir heute besprochen haben, also Wasserstoffbeschleunigungsgesetz, RFNBO-Regelung, THG-Quote. Also wir haben viel gesprochen über Produktion, Zertifizierung, Nachfrage und da bleibt doch noch ein Thema offen: Leitungs- und Infrastrukturthemen. Ich glaube, aufgrund der Zeit-
Karl Holtkamp
Das Kernnetz. Wir haben noch nicht über das Kernnetz geredet.
Alessandra Freyer
Wir haben noch nicht über das Kernnetz, die Autobahn, quasi der Wasserstoffwirtschaft. Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Das müssen wir uns dann für ein anderes Mal aufheben. Nur so viel vielleicht: Das europäische Gasmarktpaket müssen die Mitgliedstaaten bis August 2026 umsetzen. Also jetzt.
Karl Holtkamp
Ja, danke für die Ergänzung. Das ist ein guter Punkt. Die Zeit ist wieder relativ schnell verflogen. Ja, für mich heißt das für die Unternehmen, dass die relevanten Weichen derzeit gleichzeitig gestellt werden. Wer heute investiert als Elektrolyseurbetreiber, sei es als Infrastrukturinvestor oder auch als Abnehmer in der Industrie, der muss alle Ebenen im Blick haben. Also das Genehmigungstempo sowieso, die Zertifizierbarkeit nach RFMBO, die Änderungen daran natürlich, aber eben auch etwaige Zusatzerlöse über die THG-Quote. Und ja, du hast es angetippt, die Bedingungen für Transport, Weiterverteilung und Handel.
Alessandra Freyer
Wichtig ist auch zu sagen, dass diese vier Ebenen nicht unabhängig voneinander sind. Also ein schnell genehmigtes Projekt, das die RFNBO-Anforderungen nicht erfüllt, verliert natürlich seinen Vorteil dann im Quotenhandel. Und noch ein anderer Punkt: Ein RFNBO-zertifiziertes Projekt ohne Kernnetzanschluss findet natürlich schwer Abnehmer und die Regulierung wirkt als System. Das muss natürlich auch als System von allen so verstanden werden.
Karl Holtkamp
Ja, jetzt in den, in den nächsten Wochen, da passiert ja dann noch was. Die RFMBO-Überprüfung, über die wir gesprochen haben, durch die Europäische Kommission sollte im zweiten Quartal 26 kommen, also jetzt oder im Aufnahmezeitpunkt. Bei Aufnahme lag sie aber noch nicht vor. Die Umsetzungsfrist fürs Gas-Paket, du hast es gesagt, läuft im August 26 ab und beides sind Momente, an denen sich auch entscheidet, wie belastbar die heutigen Rahmenbedingungen tatsächlich sind. Andererseits, wer wartet, bis alles final geklärt ist, kriegt kein Projekt vom Boden und ist möglicherweise zu spät. Wer andersrum investiert, ohne die regulatorischen Risiken vertraglich abzusichern, setzt sich erheblichen Risiken aus. So viel heute.
Alessandra Freyer
Ein schönes Schlusswort, wie ich finde. Und ich freue mich auf die nächste Folge mit dir.
Karl Holtkamp
Ich mich auch.